Leitplanke: Innenstadt

Innenstadt - neu denken

Durch das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr vom örtlichen Einzelhandel auf das Nutzen von Online Angeboten verlagert hat (siehe hier, hier oder auch hier), kommt der klassische in der Innenstadt beheimatete Einzelhandel nun zunehmend von zwei Seiten unter Druck: Zum einen durch die dezentralen Einzelhandelsangebote auf der “grünen Wiese”, wie z.B. in Delmenhorst das Zurbrüggencenter oder auch die Outlet Stores in Stuhr / Brinkum und den jährlich zweistellig wachsenden Onlinehandel, der inzwischen auch in Bereiche vordringt die bisher eine Stärke der lokalen Nahversorger waren, so z.B. Lebensmittel oder auch Getränke (Flaschenpost, myEnso, Rewe-Online usw.). Es ist zu erwarten, dass auch gerade die sich durch die Coronakrise ergebenden Auswirkungen eher nicht die Innenstadtkaufleute stärken werden. 

Es ist unserer Ansicht nach auch langfristig nicht damit zu rechnen, dass wir wieder eine Angebotsstruktur in der City bekommen werden, die man in den vergangenen 40-50 Jahren kannte. Auch die großen Vollsortimenter, wie z.B. Karstadt haben bundesweit Probleme, und die großen Ketten sehen Delmenhorst nicht als Top Standort an. Dieses hängt mit der Größe der Stadt und ihrer Einkommensstruktur zusammen und lässt sich von der lokalen Politik kaum beeinflussen. Die heute zum großen Teil vertretenden Modeketten sind vom Angebot beliebig und heben die Innenstadt nicht von anderen Standorten ab. 

Wollen wir also unsere renovierte Innenstadt wieder beleben und zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Delmenhorsterinnen und die Einwohner des Umlands machen, so müssen wir hier die Struktur neu denken. Berücksichtigen wir, dass zum einen die Bevölkerungsstruktur in den nächsten 20 Jahren deutlich älter sein wird und durch den digitalen Fortschritt andererseits die Menschen mehr Freizeit, aber nicht unbedingt mehr Einkommen haben werden, so müssen wir, wenn der Standort attraktiv sein soll, eine hohe Aufenthaltsqualität anbieten. 

Von der “Shopping City” zur “Living City” 

Die Innenstadt muss der ganz normale Treffpunkt für Veranstaltungen aller Art und für einen großen Teil der Freizeitaktivitäten werden. Ferner werden auch zentrale Wohnmöglichkeiten durch den demografischen Wandel verstärkt nachgefragt. Der Fokus muss sich also vom Einkaufen auf das Leben in der City verlagern. Was nicht heißen soll, dass es keinen Einzelhandel mehr geben soll, allerdings wird hier zukünftig der Schwerpunkt auf einzelnen Geschäften mit Angeboten für speziellen Interessen liegen, wie es heute z.B. schon mit dem Gameground der Fall ist. Auszubauen ist das gastronomische Angebot mit Außenbewirtschaftung und das kulturelle Angebot, das in der City fußläufig erreichbar ist. Hierauf ist insbesondere bei der Nachnutzung des heute von der Hertieimmobilie überbauten Grundstücks an der Langen Straße zu achten. 

Zu diskutieren wären hier auch weitere flankierende Maßnahmen seitens der Stadt, so ist z.B. eine komplette oder teilweise Überdachung der Fußgängerzone denkbar, ferner sind erweiterte Ruhezonen mit Sitzmöglichkeiten und eine Einschränkung der Fahrzeugverkehrs in der Fußgängerzone zu prüfen. Das Ziel muss es sein, ein breitgefächertes Freizeitangebot für alle Schichten der Bevölkerung Delmenhorsts und der Umgebung zu bieten und eine möglichst hohe Aufenthaltsdauer in der Innenstadt zu erreichen.

Angebote für das 21. Jahrhundert schaffen

Auch im Bereich der Vermarktung der klassischen Ladenflächen gilt es neue Gedanken aufzuzeigen, so könnte man den Onlinehandel mit dem lokalen Einzelhandel durch einen Click & Collect Store verbinden oder auch variable Flächen für kurzfristige, spezielle Pop-Up-Stores können eingerichtet werden. Ebenso gehen reine Online Händler inzwischen dazu über, Demostores in den Innenstädten einzurichten, in denen die Produkte beraten werden, die Bestellung und Lieferung aber über das Internet erfolgt. Auch hier gibt es sicherlich Potenzial für Delmenhorst.

Des Weiteren ist die Bahnhofsstrasse durch die integrierte Nachnutzung der Fläche des ehemaligen St. Josef Stifts besser an die City anzubinden, und auch das Jutecenter muss Bestandteil eines ganzheitlichen Entwurfs werden.