Pressemitteilung

Kol­laps der Schul­land­schaft droht

Zusammenfassung

Eltern und Kin­der brau­chen end­lich wie­der Ver­läss­lich­keit und ein ruhi­ges Umfeld. Statt­des­sen pro­du­zie­ren wir mit jähr­li­chen Schü­ler-Zuwei­sun­gen und unvor­her­seh­ba­ren Schwan­kun­gen eine dau­er­haf­te Desta­bi­li­sie­rung. Wenn Schu­len gezwun­gen sind, Res­sour­cen wie Räu­me und Leh­rer­stel­len jedes Jahr mas­siv umzu­ver­tei­len, bleibt kei­ne Zeit mehr für Unter­richts­qua­li­tät und neue päd­ago­gi­sche Kon­zep­te. Wir täu­schen die Eltern bewusst, wenn wir wei­ter­hin ver­spre­chen, dass jeder sei­nen Wunsch­stand­ort bekommt.

Kurs­kor­rek­tur bei neu­en „Pop-up“-Schulen zwin­gend erforderlich

Feh­len­de Ver­läss­lich­keit für Eltern, ekla­tan­te Ungleich­ver­tei­lung von Lehr­kräf­ten und mas­si­ve Büro­kra­tie belas­ten bestehen­de Schulen.

Die aktu­el­le Umset­zung der Rats­be­schlüs­se zur Schul­ent­wick­lung droht die städ­ti­sche Schul­land­schaft nach­hal­tig zu desta­bi­li­sie­ren. Ange­sichts einer mas­si­ven Res­sour­cen­bin­dung bei Neu­grün­dun­gen, feh­len­der Trans­pa­renz für Eltern und einer ekla­tan­ten Ungleich­ver­tei­lung von ohne­hin knap­pem Lehr­per­so­nal for­dert die Rats­grup­pe DL² eine sofor­ti­ge und grund­le­gen­de Neu­be­wer­tung des Schul­ent­wick­lungs­plans. Ein blo­ßes „Wei­ter so“ gefähr­de die Unter­richts­qua­li­tät an allen bestehen­den Standorten.

Die admi­nis­tra­ti­ve Last der par­al­lel gestar­te­ten Schul­grün­dun­gen ist immens. Wie bei einer Unter­neh­mens­grün­dung bin­den Infra­struk­tur­maß­nah­men – von der IT-Aus­stat­tung (wie der Platt­form IServ) über den Auf­bau einer Ver­wal­tung bis zur Lehr­plan­be­rech­nung – enor­me finan­zi­el­le und per­so­nel­le Res­sour­cen vor Ort. Gleich­zei­tig führt die star­re Umset­zung zu einer gra­vie­ren­den Unge­rech­tig­keit: Wäh­rend an eta­blier­ten Schu­len eine dras­ti­sche Unter­ver­sor­gung an Per­so­nal herrscht und Ansprü­che auf Inklu­si­ons­stun­den nicht bedient wer­den kön­nen, wer­den für Kleinst­klas­sen an den neu­en Schu­len vol­le Stun­den­kon­tin­gen­te gebun­den. Ein Extrem­bei­spiel bil­det die geplan­te 3. Real­schu­le, an der für ledig­lich eine Hand­voll Kin­der wöchent­lich 30 Unter­richts­stun­den bereit­ge­stellt wer­den müssen.

„Die stoi­sche Durch­füh­rung der Beschlüs­se führt direkt in eine bil­dungs­po­li­ti­sche Sack­gas­se. Wenn wir eine neue Real­schu­le für nur fünf Kin­der eröff­nen und dort 30 kost­ba­re Leh­rer­stun­den bin­den, wäh­rend an ande­ren Stand­or­ten die Inklu­si­on kol­la­biert, ist das unver­ant­wort­lich. Der Schul­trä­ger bricht hier de fac­to den gesetz­li­chen Auf­trag nach dem Schul­ge­setz, ein aus­ge­wo­ge­nes Schul­an­ge­bot für alle bereit­zu­stel­len. Ein totes Pferd rei­tet man nicht wei­ter – wir brau­chen sofor­ti­ges Nach­steu­ern!“, erklärt Dr. Hein­rich Lau, der bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­cher der DL².

Die lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ven der neu­en „Pop-up“-Schulen sind völ­lig unklar. Bereits für das kom­men­de Schul­jahr 2027/28 dro­hen exis­ten­zi­el­le Fra­gen: Was geschieht, wenn die Anmel­de­zah­len aus­blei­ben oder Schü­ler eine Klas­se wie­der­ho­len müs­sen? Ange­sichts in vier Jah­ren deut­lich sin­ken­der Schü­ler­zah­len dro­hen enor­me Über­ka­pa­zi­tä­ten bei Gym­na­si­en und Real­schu­len, die ent­we­der zu erneu­ten Schlie­ßun­gen oder schmerz­haf­ten Kür­zun­gen bei eta­blier­ten Stand­or­ten füh­ren werden.

Beson­ders leid­tra­gend unter der aktu­el­len Pla­nung sind die Fami­li­en. Weil Plät­ze an Wunsch­schu­len im Fall einer Über­an­wahl per Los­ver­fah­ren ver­ge­ben wer­den, dro­hen Eltern und Kin­dern mas­si­ve Ein­schnit­te in den Alltag:

  • Ver­lust des Wohn­ort­prin­zips & Tren­nung von Freun­den: Kin­der ver­lie­ren die Garan­tie, eine Schu­le in ihrer Nähe oder gemein­sam mit ihren Grund­schul­freun­den zu besu­chen. Unzu­mut­ba­re Schul­we­ge und stei­gen­de Beför­de­rungs­kos­ten sind die Folge.
  • Fehl­plat­zie­run­gen durch Digi­ta­li­sie­rung: Ein rein zen­tra­li­sier­tes, digi­ta­les Anmel­de­ver­fah­ren erhöht die Quo­te der Kin­der, die an der fal­schen Schul­form lan­den und spä­ter wech­seln müssen.
  • Igno­rier­ter Eltern­wil­le: Der drin­gen­de Wunsch vie­ler Eltern nach IGS-Plät­zen bleibt wei­ter­hin die am stärks­ten igno­rier­te For­de­rung der loka­len Schul­po­li­tik, da dort die meis­ten Ableh­nun­gen erfolgen.

Josch­ka Kuty, der Grup­pen­vor­sit­zen­de der DL², ergänzt: „Eltern und Kin­der brau­chen end­lich wie­der Ver­läss­lich­keit und ein ruhi­ges Umfeld. Statt­des­sen pro­du­zie­ren wir mit jähr­li­chen Schü­ler-Zuwei­sun­gen und unvor­her­seh­ba­ren Schwan­kun­gen eine dau­er­haf­te Desta­bi­li­sie­rung. Wenn Schu­len gezwun­gen sind, Res­sour­cen wie Räu­me und Leh­rer­stel­len jedes Jahr mas­siv umzu­ver­tei­len, bleibt kei­ne Zeit mehr für Unter­richts­qua­li­tät und neue päd­ago­gi­sche Kon­zep­te. Wir täu­schen die Eltern bewusst, wenn wir wei­ter­hin ver­spre­chen, dass jeder sei­nen Wunsch­stand­ort bekommt.“

Ziel einer ver­ant­wor­tungs­vol­len Schul­po­li­tik muss es sein, alle bestehen­den Stand­or­te gleich­mä­ßig zu för­dern und zu unter­stüt­zen, statt Res­sour­cen in unsi­che­re Pres­ti­ge­pro­jek­te zu ste­cken. Nur Kon­ti­nui­tät und ein ver­läss­li­ches Umfeld garan­tie­ren den Schu­len die Kraft, den aktu­ell ohne­hin viel­fäl­ti­gen und hohen Anfor­de­run­gen an unser Bil­dungs­sys­tem gerecht zu werden.

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